Spritpreise zu hoch
Warum Tanken so teuer ist und was wirklich hilft
Ich merke es jedes Mal selbst. Du steigst aus dem Auto, stehst an der Zapfsäule, hältst kurz inne – und denkst dir: Ernsthaft? Schon wieder über zwei Euro? Für viele hier im Unterallgäu ist das keine Schlagzeile. Das ist Alltag. Wer auf dem Land lebt, fährt. Punkt. Und genau deshalb treffen uns diese Preise härter als andere.
Warum ich darüber schreibe
Im Unterallgäu sind wir als Flächenlandkreis mit einem der schlechtesten ÖPNV aufs Auto angewiesen und mich ärgert es, wie die Regierung mit dem
UPDATE · Stand: 04.05.2026
Seit Veröffentlichung dieses Artikels wurde am 01.05. 2026 ein zunächst für zwei Monate befristeter Tankrabatt eingeführt.
Die Wirkung bleibt jedoch begrenzt. Gründe dafür liegen u. a. in der konkreten Ausgestaltung sowie in der Finanzierung, die nicht – wie von mir vorgeschlagen – über eine Übergewinnsteuer, sondern über bestehende Einnahmen erfolgt.
Damit schützt die Regierung nach wie vor die Fossil-Lobby und setzt eben nicht das von mir präferierte Zeichen einer echten Energiewende, weg von fossilen Energieträgern hin zu regenerativen Energieformen.
Teuer – ja. Aber nicht alternativlos.
Mich machen die aktuellen Spritpreise wütend. Nicht, weil Energie nichts kosten darf. Natürlich kostet sie.
Aber in dieser Höhe? Das fühlt sich nicht wie Naturgesetz an. Das fühlt sich gemacht an.
Wir hängen immer noch am Tropf von Öl und Gas. Und diese Abhängigkeit – die haben wir uns über Jahre selbst gebaut. Oder besser gesagt: nicht konsequent genug abgebaut.
Was steckt eigentlich im Benzinpreis?
Viele sagen einfach: „Die Konzerne kassieren ab.“ So einfach ist es leider nicht.
Ein Liter Benzin ist grob gesagt ein Dreiteiler:
- Mehr als die Hälfte? Steuern und Abgaben.
- Dann kommt das Rohöl.
- Und der Rest – Raffinerie, Transport, Vertrieb.
Das Problem: Diese drei Zahnräder drehen sich nicht im gleichen Tempo.
Steigt der Ölpreis, merkst du das sofort. Steuern bleiben gleich. Und dann gibt’s noch Verzögerungen, Marktlogiken, Wechselkurse – ein ziemliches Durcheinander.
Kein Wunder, dass sich viele fragen: Warum ist das jetzt schon wieder so teuer?
Warum es gerade so knallt
Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist Bewegung im Markt. Der Ölpreis hat angezogen – teils sprunghaft.
Aber: Diese Spitzen erzählen nur die halbe Wahrheit. Im Durchschnitt ist der Anstieg moderater. Das zeigen auch die Zahlen von Statista.
Und an der Zapfsäule?
- Super E10: von etwa 1,79 € auf rund 2,07 € (+16 %)
- Diesel: von etwa 1,75 € auf rund 2,29 € (+30 %)
Auffällig: Diesel zieht deutlich stärker an. Warum? Weil hier noch andere Faktoren reinspielen – etwa Nachfrage, Raffineriekapazitäten oder internationale Märkte.
Heißt übersetzt: Der Ölpreis spielt eine Rolle. Aber er ist nicht der alleinige Dirigent.
AUF EINEN BLICK
Spritpreis in Kürze
- Über 50 % des Preises sind Steuern und Abgaben
- Rohöl ist ein zentraler, aber nicht alleiniger Preistreiber
- CO₂-Preis: ~17 Cent/Liter
- Deutschland gehört häufig zu den teureren Ländern in Europa
Details & Quellen anzeigen
Zusammensetzung des Benzinpreises:
Steuern & Abgaben: >50 %
Rohöl: ca. 35–40 %
Rest: Raffinerie, Transport, Marge
Aktuelle Entwicklung (März 2026):
Rohölpreis: gestiegen, im Monatsdurchschnitt moderat (keine konstanten Extremwerte)
Benzin: ~1,79 € → ~2,07 € (+ ~16 %)
Diesel: ~1,75 € → ~2,29 € (+ ~30 %)
Einordnung:
Benzin und Diesel entwickeln sich unterschiedlich
Zusammenhang mit Rohöl vorhanden, aber nicht linear
Preisbildung erfolgt zeitverzögert und über mehrere Faktoren
CO₂-Preis 2026:
55–65 €/t → ca. 17 Cent/Liter
Energiesteuer:
Benzin: ~65 Cent/Liter
Diesel: ~47 Cent/Liter
Politische Wirkung:
CO₂-Abgabe senken: begrenzter Effekt
Energiesteuer senken: stärkerer Effekt, aber teuer und kurzfristig
Quellen:
ADAC (Kraftstoffpreise),
Statista (Rohöl-Monatswerte),
BMWK (Preisbestandteile),
BMUV (CO₂-Bepreisung),
Zoll (Energiesteuer),
Reuters (Marktentwicklung)
Die falsche Debatte
Klingt erstmal logisch. Weniger Abgaben, niedrigerer Preis.
Ja – das würde Benzin um vielleicht 15 bis 20 Cent günstiger machen.
Aber ganz ehrlich: Löst das das Problem? Nein.
Es ist ein bisschen so, als würdest du bei einem undichten Dach den Eimer austauschen, statt das Loch zu reparieren.
Die eigentliche Ursache bleibt: unsere Abhängigkeit von fossilen Energien.
Und was ist mit der Energiesteuer?
Die nächste Forderung: Energiesteuer runter.
Das würde tatsächlich stärker wirken. Vielleicht 20 bis 30 Cent weniger pro Liter.
Aber der Haken ist groß:
- Es kostet den Staat Milliarden
- Es entlastet alle gleich – egal ob Viel- oder Wenigfahrer
- Und sobald die Maßnahme endet, schnellt der Preis wieder hoch
Kurz gesagt: Es ist ein Strohfeuer. Warm, aber nur kurz.
Ein Problem, das immer wiederkommt
Das Ganze ist ja kein neues Phänomen.
Energiekrise, Corona, jetzt geopolitische Konflikte – jedes Mal das gleiche Muster: Energie wird teuer, alles andere zieht nach.
Und selbst wenn nicht jeder Preis direkt vom Sprit abhängt – hohe Energiepreise legen sich wie ein Schatten über die gesamte Wirtschaft.
Du spürst das im Supermarkt. Beim Handwerker. Überall.
Was jetzt wirklich helfen würde
Wir brauchen zwei Dinge gleichzeitig. Und das ist der Knackpunkt.
Kurzfristig: Entlastung.
Ein Tankrabatt kann helfen – auch wenn er nicht perfekt ist. Wichtig ist: klar befristet, sauber kontrolliert.
Und gleichzeitig: mehr Gerechtigkeit.
Denn in solchen Krisen entstehen auch enorme Zusatzgewinne entlang der fossilen Kette.
Der Markt macht, was er soll. Aber die Regeln? Die macht die Politik.
Eine Idee, die Sinn ergibt:
Temporäre Entlastung für Verbraucher – finanziert aus Krisengewinnen.
Nicht perfekt. Aber fairer als vieles, was gerade diskutiert wird.
Das ist kein Zufall – das ist politisch
Diese Situation ist kein Unglück, das vom Himmel gefallen ist.
Sie ist das Ergebnis von Entscheidungen. Über Jahre.
Zu lange haben wir am Alten festgehalten.
Zu zögerlich waren wir beim Aufbau von Alternativen.
Und das rächt sich jetzt:
- ÖPNV? Oft keine echte Option auf dem Land
- Ladesäulen? Noch viel zu wenig
- E-Mobilität? Für viele schlicht zu teuer
Das ist kein Geheimwissen. Das ist seit Jahren bekannt.
Die eigentliche Lösung liegt auf der Hand
Solange wir fossile Energien brauchen, bleiben wir abhängig. So einfach ist das.
Also müssen wir raus aus dieser Abhängigkeit:
- Erneuerbare Energien konsequent ausbauen
- Öffentlichen Verkehr wirklich attraktiv machen
- Ladeinfrastruktur flächendeckend schaffen
- Mobilität bezahlbar halten
Das ist nicht nur Klimapolitik. Das ist Sozialpolitik. Und Wirtschaftspolitik obendrauf.
Am Ende geht’s um Unabhängigkeit
Die aktuellen Spritpreise sind kein Ausrutscher. Sie sind ein Warnsignal.
Sie zeigen uns ziemlich deutlich, wie verwundbar unser System ist.
Bezahlbare Energie kommt nicht durch ein paar schnelle Eingriffe.
Sie kommt durch Unabhängigkeit.
Oder anders gesagt:
Der Markt macht den Preis. Aber ob wir ihm ausgeliefert sind entscheidet die Politik.
Wasserstoff ist übrigens auch keine Alternative. Mehr dazu in diesem Artikel.